Der Nervus Vagus als Schlüssel zur Wiederherstellung der Selbstregulation

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Dozent: Oliver Ostermeier Fachlehrer für Osteopathie (BAO) und Manuelle Therapie, MSc. Ost., Bsc. PT (NL), HP

Freitag:         09:00 – 18:00 Uhr
Samstag:      09:00 – 18:00 Uhr

Seminargebühr 360,- €
Bei Interesse melden Sie sich bitte schriftlich per E-Mail über info@bdhn.de an.

Stress und stressbedingte Erkrankungen sowie psychische Störungen stellen mittlerweile ein zentrales globales Problem aller Industrienationen dar.

Das vagale System nimmt hierbei aufgrund verschiedener Faktoren eine herausragende Stellung innerhalb des autonomen Nervensystems ein und ist wesentlich für die Aufrechterhaltung von Kohärenz und Homöostase im menschlichen Organismus. Der Vagusnerv reguliert zahlreiche Körperfunktionen und übernimmt mit seinem vorderen Anteil zudem eine bedeutende Rolle als Bestandteil des sozialen Nervensystems. In enger Zusammenarbeit mit dem sympathischen Nervensystem, das insbesondere für die Aktivierung körperlicher Ressourcen in Stresssituationen zuständig ist, trägt der Vagusnerv zur Regulation des inneren Gleichgewichts bei.

Seine Bedeutung beschränkt sich nicht nur auf physiologische Prozesse und homöostatische Funktionen, sondern umfasst ebenso die Steuerung sozialer Interaktionen, affektive Erfahrungen sowie die zwischenmenschliche Kommunikation. Insbesondere hinsichtlich der Stressverarbeitung, Verhaltenssteuerung und emotionalen Wahrnehmung ist der Vagusnerv wegweisend. Eine eingeschränkte Funktionalität dieses Nervs kann Heilungsprozesse erheblich beeinträchtigen und zu weitreichenden Störungen führen.

Als Teil des parasympathischen Nervensystems unterstützt der Vagusnerv die Aktivierung von Entspannungs- und Regenerationsmechanismen und steht damit im Gegensatz zum sympathischen Nervensystem, das vorwiegend für Kampf-oder-Flucht-Reaktionen verantwortlich ist. Über vielfältige Verbindungen beeinflusst der Vagusnerv unterschiedliche Organe und Gewebe und interagiert mit Gehirnregionen, die an emotionalen Prozessen und Erinnerungen beteiligt sind. Somit hat er eine zentrale Funktion bei der Regulation von Emotionen und trägt maßgeblich dazu bei, wie emotionale Erlebnisse wahrgenommen und verarbeitet werden. Eine ausgewogene vagale Aktivität fördert nachweislich die Fähigkeit zur Emotionsregulation.

Darüber hinaus belegen neuere Studien, dass der Vagusnerv eng mit traumatischen Erfahrungen verbunden ist. Traumata können die Funktion des vagalen Systems beeinträchtigen und zu einer Dysregulation des autonomen Nervensystems führen, was chronischen Stress, Angststörungen oder weitere psychische Gesundheitsprobleme begünstigen kann.

Der angebotene Kurs bietet die Möglichkeit, das autonome Nervensystem gezielt in bestehende Behandlungskonzepte einzubinden. Er vermittelt fundierte neurophysiologische Kenntnisse sowie direkt anwendbare manuelle Techniken und Eigenübungen zur gezielten Stimulation des Vagusnervs und erleichtert somit den Einstieg in die Neuroregulation.

Theorie

Im theoretischen Teil des Kurses werden zunächst die grundlegenden anatomischen und physiologischen Eigenschaften des autonomen Nervensystems vermittelt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Salutogenese, also den Faktoren und Prozessen, die Gesundheit fördern und erhalten. Darüber hinaus erfolgt eine umfassende Betrachtung des Begriffs „Stress“, seiner Definition und Bedeutung im Kontext moderner Gesellschaften.

Die Polyvagal-Theorie nach Stephen Porges bildet einen zentralen thematischen Schwerpunkt und wird detailliert vorgestellt. Ergänzend dazu werden die Wechselwirkungen von Trauma, Bindung, Regulation und therapeutischem Setting thematisiert. Der Kurs legt Wert auf das Zusammenspiel zwischen Körper und Psyche und beleuchtet die Funktion des vegetativen Nervensystems hinsichtlich somatischer Dysfunktionen. Abschließend wird die Beeinflussbarkeit des Nervensystems durch das limbische und emotionale System herausgearbeitet.

Praxis

Im praktischen Teil steht die Umsetzung der Polyvagal-Theorie im Therapie-Setting im Vordergrund. Die Integration traumatheoretischer Grundlagen wird praxisnah vermittelt. Die Teilnehmer lernen verschiedene manuelle Techniken kennen und üben diese gezielt am vagalen Nervensystem. Auch die Untersuchung und Behandlung des sozialen Nervensystems wird praktisch erfahrbar gemacht.

Weiterhin werden spezielle Übungen zur Stärkung und Stabilisierung des Vagusnervs vorgestellt und geübt. Ein Schwerpunkt liegt auf einfachen Selbsthilfe- und Selbstregulationsübungen, die den Teilnehmern ermöglichen, das Gelernte direkt in den eigenen Alltag und die therapeutische Praxis zu integrieren. Die Einordnung osteopathischer Therapieansätze sowie die Erweiterung bestehender Behandlungskonzepte runden den praktischen Teil ab.

Bitte bringen Sie ein Handtuch und Schreibmaterial mit verschiedenen Farbstiften mit.

Ein ausführliches downloadbares Skript erhalten Sie zu jedem Kurs, außerdem werden Ihnen in diesem Downloadbereich noch Zusatzinfos zur Verfügung gestellt. Für Teilnehmer, die über keinen entsprechenden Internetzugang verfügen, wird das Skript in Papierform gegen Eigenkostenanteil zur Verfügung gestellt. Anmeldungen hierfür erbitten wir bis spätestens drei Wochen vor Modulbeginn.

Grundkenntnisse der Neuroanatomie werden vorausgesetzt, werden aber natürlich in jedem Kursanteil nochmals vermittelt.

 

Seminargebühr 360,- €

Bei Interesse melden Sie sich bitte schriftlich per E-Mail über info@bdhn.de an.

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